Freitag, 24. April 2015

Mein Leben mit dem Besonderen #13 Niklas spielt in einer ganz anderen Liga

2007 war für uns ein Jahr vollgepackt mit Emotionen. Von Regenbogen-bunt bis tief schwarz. Alles hielt dieses Jahr bereit. Anfang 2007 war ich hochschwanger. Voll Vorfreude auf unser erstes Kind. Alles bestens bei den Vorsorgeuntersuchungen. Im Mutter Kind Pass lauter "unauffällig" Vermerke und bespickt mit vielen hübschen Ultraschallbildern. Völlig sorgenfrei ging ich diese Schwangerschaft an. Beneidenswert naiv. 
Unser erster Sohn kam eine Woche nach dem errechneten Termin auf die Welt. Auf natürlichem Weg - wie man sich das so wünscht beim ersten Baby. Komplikationen gab es keine. Zumindest keine offensichtlichen. Ich war in Gedanken eigentlich schon fast zu Hause mit unsrem Burschen, als dann plötzlich alles anders kam.
Niklas hatte an seinem fünften Lebenstag - noch im Krankenhaus - eine massive Gehirnblutung. Musste per Hubschrauber in das nächste Landeskrankenhaus geflogen werden. Es folgte eine stundenlange Notoperation. Sein Gehirn wurde stark geschädigt. Die Ärzte machten uns danach nicht viel Hoffnung. Schickten ein Krisenteam zu uns und baten eine Nottaufe an. All diese Dinge passierten, während wir noch wie in Trance waren. Betäubt vom Schicksal. Niklas hat damals wie ein Löwe gekämpft und überlebt.
Noch während unser Sohn auf der Intensivstation gelegen hat, habe ich mich erstmals in meinem Leben mit der Frage auseinandergesetzt: Was ist denn lebenswert? Wann ist man es "wert" zu leben? Und ist es überhaupt möglich, das Leben zu genießen, wenn man behindert ist? Was ist das für ein „Leben“, wenn man vielleicht nicht einmal selbst Atmen oder Essen kann?
All diese Fragen stellt man sich nicht, wenn alles gut läuft. Aber vieles kann man sich im Leben eben nicht selbst aussuchen. Der Mensch versucht es dennoch. Das Thema Pränataldiagnostik ist ein besonders heikles. Eltern möchten "sicher" gehen, dass alles "in Ordnung" ist. Man hat ja schon so viele Pläne, Wünsche und Vorstellungen. Diese wollen auch erfüllt werden. Wir waren nicht anders. Sehr viel ist medizinisch schon möglich. Einiges ist unglaublich wertvoll. Oft aber wird der Eindruck erweckt, man kann sich damit einen Freibrief für ein fehlerfreies, glückliches Leben lösen. Bei all der Vorsorge wird nämlich eines vergessen: Das Schicksal macht auch vor einem perfekt genetischen Bausatz nicht Halt.
Heute ist unser Niklas acht Jahre alt. Ein unglaublich toller großer Bruder (seine Schwester Anika ist mittlerweile fast drei). Niklas mag es zur Schule zu gehen. Ist meistens gut gelaunt aber immer noch sehr ungeduldig. Er ist ein ordentlicher Dickschädel. Unser Bursche liebt Wasser und Musik und hasst es, zu basteln. Und wenn er lacht, dann verlieb ich mich jedes Mal aufs Neue in diesen wunderbaren Sohn.
Niklas ist schwer behindert – durch die Gehirnblutung. Er hat einen sehr seltenen Gendefekt – dieser nennt sich Hämophilie B. Eine Blutgerinnungsstörung mit der man eigentlich nahezu „normal“ leben kann, wenn man entsprechend Kenntnis davon hat und wenn nicht der völlig unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ganz unbemerkt eine Gehirnblutung auftritt. Von seinem Defekt wusste damals niemand von uns.
Wir hätten vor neun Jahren nie gedacht, dass wir einmal ein schwer behindertes Kind haben werden. Und schon gar nicht hätte ich uns zugetraut, dass wir so ein Leben schaffen können und dabei noch sagen: Es ist gut so.
Unser Bursche kann nicht sprechen, er kann nicht gehen oder sich selbst aufsetzen. Nicht einmal das Kauen funktioniert. Er wird sein Leben lang auf (unsere) Hilfe angewiesen sein. Ja, unser Leben ist oft sehr anstrengend. Die Pflege, das Kämpfen um verschiedenste Finanzierungen oder die ständigen Termine rund um die Behinderung von Niklas. Der ganze Alltag ist vollgepackt mit Dingen, die gemacht werden müssen. 
Aber bedauernswert ist Niklas nicht. Er wird bedingungslos geliebt. Und er hat das Privileg (fast) wertungsfrei leben zu können. Niklas spielt in einer ganz anderen Liga. Völlig abseits der Norm. (Und wisst ihr was?:  manchmal beneide ich ihn darum!) Er muss nicht mithalten können - denn das kann er ohnehin ganz offensichtlich nicht. Er darf Kind/Mensch sein, ohne Druck. Natürlich wird unser Sohn gefordert und gefördert. Jeder noch so kleiner Fortschritt muss hart von ihm erkämpft werden. Aber er kämpft nur für sich. Nicht für andere. Niklas vergleicht nicht. Er macht das, wonach ihm ist. Lebt für den Moment. Und geniest diesen.
Jetzt mal ehrlich: Wer kann das schon von sich behaupten? Keine Frage - eine ganz andere Welt. Irritierend fremd. Aber absolut lebenswert! Nur etwas anders lebenswert halt...... 
Wer von euch ein bisserl reinschnuppern will in unsere Welt, ist herzlich eingeladen:www.niklaskainz.blogspot.co.at



Donnerstag, 23. April 2015

Heute ist der Tag des Buches

Eigentlich wollte ich heute noch ein paar Worte zum letzten Post los werden. Es war ein großer Schritt für mich dieses Stück Vergangenheit in die Öffentlichkeit zu tragen. Nicht dass es mir schwer fallen würde über diese Zeit zu sprechen, aber öffentlich ist das eben noch mal anders. Überwältigt war ich von all den Kommentaren und Mails dazu und all die lieben Komplimente - ja, damit habe ich auch heute noch Schwierigkeiten. Ich bin selbst gut darin Komplimente zu verteilen, aber sie selbst anzunehmen, fällt mir schwer.
Ich fand diesen Post längst überfällig und wichtig, einfach weil Essstörungen immer und überall Thema sind. Ein Thema, das so präsent ist und trotzdem viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird.

Ein völlig anderes Thema, das dagegen gerade öffentlich sehr stark diskutiert wird, sind "Kinderbilder im Netz". Und auch wenn es mir schon selbst zu den Ohren hinaus hängt, möchte ich auch noch ein paar Gedanken dazu los werden. Jessica von Herz und Liebe und Caspar von Leitmedium haben aber im Prinzip alles schon sehr treffend formuliert. Viel mehr habe ich dem auch nicht zuzusetzen und eigentlich ist es auch bekannt warum ich dieses Blog MIT Kinderbildern führe.

Okay, mein Statement muss trotzdem warten, denn heute ist Tag des Buches. Und wie ihr wisst, lieben wir Bücher!

Vor einigen Wochen habe ich Euch auf Facebook schon nach Euren Kinderbuch-Empfehlungen gefragt. Hier kommen heute unsere derzeitigen Lieblinge.

Der Sonnenschein liebt ja feste Strukturen und Rituale und ist dementsprechend auch unflexibel in der Buchauswahl. Derzeit ist sie total begeistert von Märchen, aber eigentlich sind es nur "Hänsel und Gretel", "Frau Holle", "Rotkäppchen" und manchmal auch "Der Froschkönig", die ich vorlesen darf.
Ich habe lange nach einem Märchenbuch gesucht, das mir rundum gefällt. Die Wahl traf dann auf dieses hier...

Ich fand die Zeichnungen toll, die Märchen noch sehr nah am Original und trotzdem in die moderne Sprache übersetzt. Leider fehlt das Märchen von Hänsel und Gretel, aber die süßen Zeichnungen haben mich letztendlich überzeugt. Der Sonnenschein liebt es und auch das Löwenkind hört fasziniert zu, wenn ich aus dem Buch vorlese.

Conni... sie begleitet und schon ein paar Jahre und ist nach wie vor die persönliche Heldin vom Sonnenschein...

Ich bin allerdings sehr froh, dass vor ein paar Wochen ein bisschen Abwechslung in unserer "Gute Nacht Lektüre" erhalten haben. Nach einer Empfehlung in meiner Facebook-Umfrage landete dieses Buch sofort auf unseren Wunschzettel...
Prinzessin Isabella hat das Prinzessin-Dasein satt. Sie beschließt, dass sie keine Prinzessin mehr sein möchte und schmeißt ihre Krone im hohen Bogen in den Schlossteich. Der König schickt sie zur Strafe in den Schweinestall. Doch als es der Prinzessin dort so gut gefällt, dass sie sogar im Schweinestall übernachten möchte, sieht der König ein, dass er seine Tochter nicht zum Prinzessinnen-Leben zwingen kann.
Sehr schön und humorvoll geschrieben und das Löwenkind ruft jetzt immer aufgebracht "Ich will meine Krone nicht anziehen!" wenn er das Buch sieht, denn auch er horcht begeistert mit, wenn die große Prinzessin ihre Lesestunde hat.

Das Löwenkind hat ein ganzes Bücherregal voller Lieblingsbücher. Hier zeige ich Euch seine absoluten Lieblinge und er möchte sie am liebsten jeden Abend ALLE vorgelesen bekommen.

Auf gar keinen Fall fehlen darf...
... der Titel erklärt das Buch schon sehr treffend. Das Löwenkind liebt dieses Buch abgöttisch!

Die kleine Maus fürchtet sich nicht vor dem Güffelo und das Löwenkind auch nicht...
... natürlich darf dieses Buch auch hier nicht fehlen! Die Kinder lieben es beide und ich bin ein großer Fan von den Axel Scheffler Büchern.

Ein Buch, das das Löwenkind von seiner Schwester geerbt hat, ist dieses tolle Klipp Klapp Buch...
... ein ziemlich cooles Wimmelbuch, das sowohl das Geschehen bei Tag als auch bei Nacht zeigt. Es gibt in diesem Buch sehr viel zu entdecken und drei Personen, die auf jeder Seite immer wieder auftauchen, können gesucht werden.

Ein ziemlich neuer Liebling ist "Gute Nacht Gorilla", ein Buch, das völlig ohne Text auskommt und trotzdem eine so tolle Geschichte erzählt...
Wir haben es nach der Facebook-Umfrage für das Löwenkind zu Ostern geholt und seitdem erzähle ich jeden Abend die gleiche Geschichte und doch jedes Mal ein bisschen anders.

Ein weiteres Buch, das ziemlich neu in unserem Bücherregal ist und sogar von der Autorin handsigniert, ist das Buch von der "Kleinen Hummel Bommel". Wir haben es bei der tollen Verlosung bei Lieblingsgören gewonnen und seitdem erzähle ich jeden Abend die Geschichte von der kleinen Hummel Bommel, die so traurig ist, weil sie so kleine Flügel hat...
... ein sehr liebevoll geschriebenes und illustriertes Buch mit einem wunderschönen Song von Maite Kelly (den man kostenfrei downloaden kann - den Code dafür findet man im Buch).

Die wieso, weshalb, warum junior Bücher sind im Moment auch sehr angesagt beim Löwenkind. Sehr schön erklärte Sachbücher für die Kleinsten, mit tollen Klappen...
... das Dinosaurier-Buch ist der derzeitige Löwen-Favorit.

Das Löwenkind mag vor allem Bücher, in denen es viel zu gucken gibt und zu suchen. Wie toll, dass er das Suchbild-Buch mit der Schlange Zino von seiner Schwester geerbt hat. Auch sehr gerne gelesen...

Das sind sie auch schon, unsere derzeitigen Kinderbuch-Favoriten. Und da wir immer wieder auf der Suche nach Alternativen zu Conni oder anderen Sinnfindungen als irgendwelche Hundehaufen auf dem Kopf sind, möchten wir nun natürlich von Euch wissen welches Kinderbuch Euer ganz persönlicher Favorit ist.


Samstag, 18. April 2015


Meine Definition von Schönheit

Bilder von mir mag ich nicht besonders gerne. Das fängt schon beim Fotos machen an - ich weiß nie wie ich mich hinstellen soll, bin unsicher und kann auch nicht so richtig aus mir heraus. Ich bekomme mich jedes Mal in die Wolle mit Herrn Sonnenschein, weil ich statt Topmodel-Posen nur Faxen mache und irgendwann über seine Regieanweisungen auch die Lust an der Sache verliere.

"Schluss jetzt! 3 - 4 Bilder werden ja wohl dabei sein!" und dann stapfe ich (wohl bemerkt wie eine Watschelente und nicht wie ein Topmodel) davon. So endet es meistens. Immer.
Wenn ich Bilder von mir sehe, stören mich am meisten meine schiefen Zähne (trotz jahrzehntelanger, abgeschlossener Kieferorthopädiebehandlung mit fester Zahnspange oben und unten... Höllenqualen!). Selten mag ich meine Haare... zu viel Natur, ständig die falsche Farbe (ich finde einfach nicht die richtige für mich und ohne wäre ich bereits ziemlich grau) und absolut talentfrei in tolle Frisuren machen. Meine abstehenden Ohren, die haben mich schon als Kind gestört. Und trotzdem akzeptiere ich mich selbst heute mehr als je zuvor. Ich mag mich so wie ich bin. Meistens. Unperfekt. 

Zu dieser Selbstakzeptanz hat vor allem der Sonnenschein beigetragen. Sie hat dafür gesorgt, dass ich meine Definition von Schönheit grundliegend überdacht habe.


Der Sonnenschein ist für mich einer der schönsten Menschen, die ich kenne, obwohl sie den Schönheitsidealen unserer Gesellschaft niemals entsprechen wird. Ich liebe Ihre Augen und ihr Lächeln.

Für mich ist ein Mensch aber auch nicht schön, nur weil er hübsch aussieht. Heute ist das so.

Schönheitsideale. Früher wollte ich auch gerne so sein, schön und vor allem schlank. Nur wer schön ist, ist liebenswert, erfolgreich und glücklich. Dachte ich und so gaukelt es einem unsere Gesellschaft und die Medien doch vor. Formate wie "Germanys Next Topmodel" oder "Deutschland sucht den Superstar" schaue ich mir gar nicht erst an. Nicht nur, weil ich mich sonst automatisch total fremdschämen würde, sondern vor allem weil ich es ganz schrecklich, nein sogar grob fahrlässig finde, was für Botschaften da übermittelt werden. 

Früher wollte ich auch lieber jemand sein, der ich nie sein werde. Heute bin ich lieber ich.

In der Pubertät war ich eher pummelig, mit meiner festen Zahnspange oben und unten, das Gesicht voller Pickeln und die Haare auf meinem Kopf feierten damals schon ihre eigene, wilde Party. Dass ich nicht zu den Mädels gehörte, die den Jungs die Köpfe verdrehte, muss ich sicherlich nicht extra erwähnen.

Irgendwann beschloss ich dann wie alle anderen zu sein - schlank und schön. Das endete im Krankenhaus. Ich war 17 Jahre alt und wog nur noch 39 Kilo. Noch nicht einmal eine Scheibe Salatgurke wollte ich essen und ich wurde völlig hysterisch als man es von mir verlangte. Ich hatte einfach aufgehört zu essen. Von Tag zu Tag ein bisschen mehr. Das war eine ziemlich schlimme Zeit für mich, aber vor allem auch für meine Familie. 

Magersucht / Anorexie.

Ich erinnere mich noch an diese innerliche Kälte und die Emotionslosigkeit, die totale Kontrolle und doch das Gefühl und die Angst die Kontrolle zu verlieren. 
Und obwohl ich nicht essen wollte, gab es für mich kein anderes Thema mehr außer Essen. Ich wälzte Kochbücher, schaute Kochsendungen und nach der Schule stand ich in der Küche und kochte oder backte die tollsten Sachen... für meine Familie, für meine Freunde. Nicht für mich. 

Meinen absoluten Tiefpunkt hatte ich mit 32 Kilo. Die Ärzte führten mit meinen Eltern ein Gespräch, in dem sie keine Hoffnung mehr gaben. Sie hatten mich bereits aufgegeben.
Doch als der Tag kam, an dem ich wusste, dass ich sterben würde, wenn ich nicht augenblicklich wieder anfangen würde zu essen, schnappte ich mir unter dem verblüfften Blick meines Opas, der damals zu Besuch war, ein Baguettebrötchen und eine Scheibe Käse und begann zu essen.
Drei Monate später hatte ich über zwanzig Kilo zugenommen. Zahlreiche Fressattacken lagen hinter mir. Es geriet außer Kontrolle, meine größte Angst - Kontrollverlust. Doch zum Glück konnte ich mich auch auch zu keiner Zeit dazu überwinden mich zu übergeben. Das hätte alles noch viel schlimmer und gefährlicher gemacht. 
Die Zeit nach der offensichtlichen Magersucht war für mich noch viel schlimmer als die, in der ich sichtbar krank war. Für Außenstehende war ich wieder gesund und "normal", denn ich aß ja wieder, sah wieder gesund aus. Aber eigentlich ging es mir überhaupt nicht gut, weder psychisch noch physisch. 

Heute kann ich über diese Zeit locker reden. Ich würde sagen - ich hab es geschafft. Wenn ich mir über eine Sache keine Gedanken mache, dann ist es das Essen und schon gar nicht darüber was ich esse. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich Schokolade zu meinen Hauptnahrungsmitteln zähle. 
Heute akzeptiere ich mich weitestgehend so wie ich bin. Es gibt sogar Tage, an denen hätte ich gerne ein paar Pfund mehr auf den Hüften. 


Ich finde heute kurvige Frauen viel hübscher als solche mit knabenhafter, androgyner Figur. Schönheit definiert sich für mich überwiegend durch den Charakter, einem schönen und ehrlichen Lächeln und viel Humor. 

Leider herrscht nach wie vor in den Medien und vor allem in unserer Gesellschaft ein Schlankheitswahn (auch wenn es zum Glück viele Gegenbewegungen gibt) und wenn man nicht schlank ist, zaubert man eben ein bisschen mit Photoshop herum, damit man diesem Bild entspricht. Viel wichtiger als die Kleidergröße ist aber doch sich selbst so zu akzeptieren wie man ist. Dort sollte man ansetzen, bevor man es mit einem Diätprogramm versucht. Dann purzeln überflüssige Pfunde ganz von alleine. Davon bin ich fest überzeugt. 

Um meine Figur mache ich mir heute verhältnismäßig wenige Gedanken. Natürlich gibt es Phasen, in denen ich mich nicht ganz so mag, so wie ich bin, aber zu meinem eigenen (gesunden) Selbstbild hat vor allem der Sonnenschein beigetragen. Durch sie (und auch durch ihren Bruder) hat sich mein Selbst- und auch Weltbild noch einmal völlig verändert und vieles grade gerückt.

Ich glaube, das war mein größtes Outing in meiner eigenen Bloggeschichte.

Aber ich kann es gar nicht laut genug sagen - Seid Ihr selbst. Akzeptiert Euch selbst. Und vor allem - liebt Euch selbst!
Der Stoff heißt übrigens Lightflower Minibutterflies, designed von Verena Münstermann und ab sofort bei Lillestoff erhältlich.

Vernäht habe ich den Stoff nach dem Schnitt Moneta von Colette Patterns.

Die Fotos sind gestern Abend an unserem allerersten komplett Kinderfreien Abend seit Jahren entstanden. Heute Morgen wurden wir vom Postboten aus dem Bett geklingelt. 




Freitag, 17. April 2015

Mein Leben mit dem Besonderen #12 Was, wenn mein Kind behindert ist? Ein Plädoyer gegen Abtreibung

Mein Name ist Hanna. Ich bin im 7. Monat schwanger, eine sog. „Erstgebärende“. Ein Junge, wenn die Ärzte sich nicht ganz stark irren. 
Wenn mein Kleiner im Juli geboren wird, werde ich schon 30 Jahre alt sein. Ich weiß, dass ich damit  noch keine „Risikoschwangere“ bin – trotzdem nicht mehr die Jüngste und bei einem Kind soll es ja nicht bleiben. Bei meiner zweiten Untersuchung beim Gynäkologen hat er mich gefragt, ob ich eine Nackenfaltenmessung durchführen lassen wollte. Ich hatte keine Ahnung, was das genau ist und ob ich das möchte. Auf meine Nachfrage sagte er mir nur, es gäbe keine medizinische Indikation dafür, aber viele Frauen möchten das trotzdem. Er könne es nicht für mich entscheiden, mir aber nur raten, keine Nackenfaltenuntersuchung durchzuführen, wenn ich bei einer Auffälligkeit auch eine Fruchtwasserpunktion machen lassen würde. Was genau er damit meinte, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar. 
Zu Hause habe ich mit meinem Mann gesprochen, was wir tun würden, wenn wir wüssten, dass unser Kind behindert wäre. Seine Antwort war, dass unser Kind nicht behindert sein würde und ich darüber nicht nachdenken sollte. Auch mit dieser Reaktion konnte ich zunächst wenig anfangen. 
Also habe ich das getan, was sowohl mein Arzt als auch mein Mann nicht wollen, dass ich tue: ich habe im Internet nachgelesen. Habe mich informiert, was bei einer Nackenfaltenmessung passiert, welche Risiken eine Fruchtwasserpunktion hat, und habe viele Berichte von (werdenden) Mamis gelesen, die eine richtige oder falsche Diagnose „behindertes Kind“ erhalten hatten. Sehr oft war die Rede von Bindungsstörungen während der Schwangerschaft, ich habe von Eltern gelesen, die ihr vermeintlich behindertes Kind gesund  zur Welt gebracht haben und von solchen, die es abgetrieben und nur wenig später bitterlich bereut haben. 
Schnell war für mich klar, was mein Arzt mir hatte sagen wollen: Ich musste entscheiden, ob ich wirklich wissen wollte, ob mein Kind „behindert“ ist. Und wenn ich den ersten Schritt (Nackenfaltenmessung) gehe, wäre dieser ohne den zweiten (Fruchtwasserpunktion) sinnlos, weil er mich nur in ein möglicherweise unnötiges emotionales Chaos stürzen würde. Eine Nackenfaltenmessung ergibt nämlich nie eine Diagnose, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit, dass das Kind behindert ist. Und auch eine unauffällige Nackenfalte ist keineswegs eine Garantie für ein gesundes Kind. 
Ziemlich schnell konnte ich alle Gedanken auf eine Kernfrage herunterbrechen: Wenn das kleine Leben, das da in meinem Bauch heranwächst, entstanden durch die große und einzigartige Liebe zwischen zwei Menschen, nicht der „Norm“ entspricht, wenn es ein besonderes Kind ist, wenn es mehr Aufmerksamkeit bräuchte oder weniger „klug“ wäre, möchte ich dann mein Kind töten? 
Und da verstand ich endlich auch die Reaktion meines Mannes. Unser Kind ist nicht „behindert“ -egal, wie es zur Welt kommt. Es bringt nichts, wenn wir uns darüber den Kopf zerbrechen, denn in der Endkonsequenz käme es nicht in Frage, das Leben unseres Kindes aus irgendeinem Grund zu beenden. Wir werden unseren kleinen Bauchzwerg lieben, wie alle Eltern ihre Kinder lieben und werden ihm jede Unterstützung geben, damit er gut ins Leben startet. Was für einen Unterschied würde es machen, wenn wir jetzt schon über alle Probleme Bescheid wüssten, die vielleicht – vielleicht aber auch nicht – auf uns zukommen? Es würde einen Unterschied machen. Nämlich den, dass wir die Schwangerschaft vielleicht weniger unbeschwert durchleben würden, dass wir uns doch noch einmal hinterfragen, ob wir das wirklich schaffen. Vielleicht wäre ich manchmal wütend auf mich oder mein Kind, weil es nicht „normal“ sein kann, traurig oder mutlos, wenn ich an die Zukunft denke. 
Natürlich hoffen wir, dass unser Sohn gesund und ohne Einschränkungen zur Welt kommt. An unserer Liebe zu ihm wird sich aber nichts ändern, egal was da kommt. Ich weiß, dass der Großteil der Paare, die eine Diagnose „Down Syndrom“ erhalten, ihr Kind abtreiben lässt. Ich verstehe, warum sie das tun, kann es aber als werdende Mama nicht nachvollziehen. Ich könnte nicht damit leben, das Leben meines eigenen Kindes beendet zu haben. Und nichts anderes ist eine Abtreibung für mich. Jede Mama weiß, wie früh man auf dem Ultraschall schon sehen kann, wie das Baby sich bewegt, mit den Beinen strampelt oder die Ärmchen bewegt. Wie kann ich als Mutter ein solches Leben in meinem Bauch nicht nur ablehnen, sondern töten, nur weil es besonders sein wird? Ich bin mir sicher, dass ich diese Entscheidung den Rest meines Lebens bereuen würde. 
Mir hat es großen Mut gemacht, einige der letzten Beiträge in dieser Rubrik zu lesen, in denen Eltern oder Angehörige von Kindern mit Down-Syndrom berichten. Natürlich habe auch ich schon Kinder und Erwachsene mit Trisomie 21 erlebt und gesehen, wie glücklich und unbeschwert sie teilweise durchs Leben gehen. Trotzdem habe ich bis zu meiner Schwangerschaft nie darüber nachgedacht, wie sich das aus der Sicht der Eltern anfühlen könnte. Dass die meisten Eltern hauptsächlich Positives über ihre Kinder berichten, hat mich in meiner Entscheidung, die ohnehin feststand, bevor ich überhaupt darüber nachdenken musste, nur bestärkt. 

Wer übrigens mitlesen möchte, wie das letzte Trimester meiner Schwangerschaft verläuft und wie es uns kleiner Chaos-Familie danach ergeht, kann das übrigens auf meinem Blog www.sie-ist-schwanger.de oder dem meines Mannes www.er-ist-schwanger.de tun. 

Donnerstag, 16. April 2015


Anchor Love

Wer von Euch näht, der kennt das - manchmal sieht man einen Stoff und man weiß sofort was es wird, wenn es unter die eigene Maschine kommt und für wen es wird.
Manchmal kommen  noch während des Nähens ein paar Extra-Tüddeleien, aber sonst ist das Projekt schon fertig, bevor es angeschnitten ist. Wenn nicht der Faktor Zeit wäre...

Als ich Anchor Love von Mädchenwahn für Lillestoff in den Händen hielt, wusste ich sofort, dass das ein Stoff für meine Schwester ist. 

Leider ist meine Schwester momentan  im Urlaub, also muss das Kleid für sie warten und ich habe mir schon einmal ein Tunika-Shirt daraus genäht...




Und wenn meine Schwester aus ihrem Urlaub zurück kommt, kann ich ihr immer noch ein Kleid aus dem wunderschönen Anchor Love nähen. 

Das war mein kleiner Beitrag zu RUMS und mehr davon gibt es wie immer HIER... ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Beiträge.